Die Geschichte des Bergrettungsdienstes Tiers

In den Jahren 1902 bis 1914 bestanden aufgrund einer Initiative des damaligen DÖAV in Südtirol bereits 39 Rettungsstellen. Eine davon war Tiers und deren Leiter war Andreas Tschager, Rosenwirt. Genaueres über die Rettungsmethoden aus jener Zeit ist uns nicht bekannt. Bis nach dem zweiten Weltkrieg kam leider der Alpinismus bei uns fast völlig zum Stillstand.

Der tragische Bergtod des Kletteridoles Hansi Dalvai, aber auch der Bergunfall des "Pattissen-Sepp" beim Zipperle Steig (1952) waren u.a. das auslösende Moment für den Entschluss, dass Tiers eine eigene Bergrettungsmannschaft braucht.

25.08.1954 Eduard Vieder, Franz Obkircher, Alois Aichner, Hans Rabatscher, Ernst Villgrattner, Thaddäus Pattis, Karl Villgrattner, Johann Resch, Rudolf Mayer, Franz Robatscher - Männer aller Altersgruppen, jedoch durchwegs erfahrene Berggeher - gründeten mit Hilfe der Bozner Kameraden die Bergrettungs-Ortsstelle Tiers.

Startausrüstung waren ein Perlonseil und eine Hochgebirgstrage.
Der erste Einsatz folgte bereits am Tag nach der Gründung.

 

Gründungsmitglieder im Jahr 1987

1955 Es folgte die Aufstockung der Ausrüstung durch das von der Bozner Bergrettung überlassene Stahlseil der Vajoletthütte samt Zubehör wie Seilrolle, Kreisel, Bremstrommel und Kupplungsstücke.

Zusammenarbeit mit der Feuerwehr bei einer Schauübung die zeigte, dass die Bergrettung auch im Ort von Nutzem war.

Ein Kasten für die Aufbewahrung der Geräte wurde angeschafft und in der Feuerwehrhalle beim Schulhaus untergebracht.

Teilnahme am ersten Felskurs am Sellajoch.

 

Einsatz Delagoturm am 7.10.1957

1958 Die "Campagnola" der freiwilligen Feuerwehr wurde als Fahrzeug zur Unterstützung bei Einsätzen herangezogen.

Franz und Hans bei einer Übung 1962

1959 Anschaffung eines "Akja" Schlittens.

Das erste Mal erhielt die Ortsstelle die Einsatzspesen des vergangenen Jahres von der Region vergütet.

Für eine schwierige Bergung mit Steinschlag an der Nordseite der Vajolettürme wurde ein Helm geliehen, da die Rettungsstelle noch keine Steinschlaghelme besaß.

1965 Erster Bergrettungsball im Gasthof Paradies.

Erster dokumentierter Erste-Hilfe-Kurs.

1970 Zum ersten Mal wurde ein Hubschrauber zur Unterstützung für einen Einsatz herangezogen.

1971 Je ein Hubschrauberlandeplatz wurde auf den Anglwiesen und  auf der Grasleitenhütte errichtet.

1972 Margarethe Ploner war die erste weibliche Anwärterin im Bergrettungsdienst Südtirol.

Übung 1976

1976 Das neue BRD-Lokal im Parterre des Gemeindehauses war fertig gestellt. Somit konnte erstmals auch die Rettungsmannschaft über eigene Vereinsräumlichkeiten verfügen.

Teilnahme am ersten Hubschrauberkurs.

 

Die Mannschaft 1980

 

Das erste eigene Fahrzeug 1981

1981 Die Gemeindeverwaltung übergab das alte, aber noch fahrtüchtige Geländefahrzeug des Elektrowerkes an die Bergrettung.

1982 Vereinseigene Zusatzbestimmungen für die Aufnahme in den Verein wurden erstellt.

1985 Durch eine große Spendenaktion in der Bevölkerung konnte ein neues Vereinsfahrzeug angekauft werden.

Das zweite Fahrzeug 1985

1987 Die Notrufnummer 642222 wurde angeschafft.

Erstmals wurde für die Wochenenden von Juni bis Oktober ein Bereitschaftsdienst von je zwei Mann eingeführt.

Durch den Einbau eines Funkgerätes im Vereinslokal und die Anschaffung von fünf Personenrufgeräten wurde das Alarmierungssystem der Rettungsstelle bedeutend verbessert.

1990 Ein schwerer Schicksalsschlag war für uns der tragische Kletterunfall unseres BRD-Anwärters Leo Falser.

Beitritt zum Aiut Alpin Dolomites, der Flugrettungs-vereinigung der Bergrettungsdienste der Dolomitentäler.

1991 Bau eines provisorischen Hubschrauberlandeplatzes in der Wirtswiese.

Die Vereinskleidung erfuhr durch den Ankauf der neuen Vereinspullover und Windjacken eine erfreuliche Ergänzung.

Das neue Vereinslokal in der "Sennerei" wurde eingeweiht. Endlich verfügte der Verein über Einsatzzentrale mit Versammlungsraum, Mannschaftskästen, Materialdepot und Garage an einem Ort.

1992 Fertigstellung des neuen, für den Anflug geeigneteren Hubschrauberlandeplatzes in der Mesner Wiese.

1993 Für die gesamte Mannschaft konnten in diesem Jahr einheitliche Hosen erworben werden.

1994 Bei einer Brandsimulierung in der Grundschule von Tiers mit der Evakuierung der Schüler zeigte sich die hervorragende Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuerwehr Tiers.

Zum 40 jährigen Jubiläum wurde eine Broschüre erstellt.

Für die Verwaltung wurde ein Computer angekauft.

 

Die Mannschaft 1994

1995 Ankauf eines neuen Anhängers für das Fahrzeug.

Ausstattung aller Mitglieder mit einem Personenrufgerät zur Alarmierung.

Für die Verdienste in der Bergrettung erhält Artur Obkircher zusammen mit Raphael Kostner aus Gröden und Gregor Groß aus Seis den Stand des „Cavaliere“ vom Staatspräsidenten verliehen.

1996 Ankauf einer "Wiederbelebungspuppe" für Erste-Hilfe-Übungen.

Sie hat alle Wiederbelebungsversuche überlebt

2000 Ehrenmitgliedschaften werden zum ersten Mal verliehen:

an Albert Robatscher für langjährige Verdienste als BRD-Mann, an Karl Psenner und Willi Seeber für langjährige, großzügige Unterstützung des Vereins.

Ein neues und für Verletztentransporte ausgerüstetes Fahrzeug wird angeschafft.

Das neue Fahrzeug seit 2000

 

2002 Da unser Dorf keinen Rettungsdienst besitzt und der nächste Rettungswagen mindestens 25 Minuten nach Tiers braucht, wird nun die Bergrettung auch zur Unterstützung von medizinischen Notfällen offiziell hinzugezogen.

 

 

Zusammenarbeit mit der freiwilligen Feuerwehr bei einer Übung in der Grundschule 2002

 

Übung mit dem Hubschrauber des Aiut Alpin Dolomites 2002

2003 Die „Helfer vor Ort“ werden in Tiers und weiteren drei Berg-rettungsstellen des Landes ins Leben gerufen. Sie bestehen aus den Mitgliedern des Bergrettungsdienstes und vier weiteren freiwilligen Helfer aus dem Ort, welche bereits als Sanitäter tätig sind (Andreas Hauser, Florian Knolseisen, Günther Mair, Matthias Damian). Zusatzausbildungen und –prüfungen in Erste-Hilfe, um auch ein automatisches Frühdefibrilationsgerät benützen zu dürfen, werden durchgeführt. Ziel der Helfer vor Ort ist es, das Bergdorf Tiers bei allen Notfällen bis zum Eintreffen einer Ambulanz oder des Notarztes erstzuversorgen.

 

Übergabe des gespendeten automatischen Defibrilations-gerätes an die Helfer vor Ort durch die Gemeinde-verwaltung und Raiffeisenkasse am 11.10.2003

 

AED Gerät und Erste-Hilfe-Tasche

2003 wurden mit 3.012 Stunden und 452 beteiligten Mitgliedern 33 Bergeinsätze, 15 medizinische Notfälle, 59 Übungen, 24 Kurse und 9 Dienste bei Veranstaltungen durchgeführt. Dazu reihen sich noch unzählige Stunden für die Bereitschaftsdienste an den Wochenenden.

2004 Wir sind nun 50, blicken auf ein halbes Jahrhundert Erfahrung zurück, bilden uns ständig weiter, um weiterhin für alle, die unsere Hilfe benötigen, Tag und Nacht einsatzbereit und bestens gerüstet zu sein.

 

Die Mannschaft nach einer Übung im Tschamintal am 6.06.2004

 

 

Am 20.06.04 werden Verletzte und Retter mit dem neuen Hubschrauber des Aiut Alpin Dolomites nach einem die ganze Nacht dauernden Einsatz, aus der Laurinswand nach Tiers ausgeflogen.